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Geschichte des Dünendorfes

Dorfgeschichte – wie sie uns überliefert wurde

Anfang des 8. Jahrhunderts wird von der Errichtung einer ersten Holzkirche in Wissel berichtet, die der hl. Willibrord nach der Missionierung der Franken in dieser Gegend erbauen ließ. 150 Jahre später gehörte Wissel zum Besitz des Grafen von Cleve.

Sie errichteten zum Schutz und zur Verwaltung ihrer Ländereien auf der von der Kalflack (örtlicher Fluss) und dem Rhein umspülten Insel eine Burg. Zum Schutz vor Überschwemmungen wurde Wissel eine der ältesten Ringdeiche am Niederrhein angelegt. Die Burg wurde bewohnt von den Herren zu Wischell; sie waren dem Grafen zu Cleve lehnspflichtig. 1070 wird das Anwesen erstmals erwähnt. Sein Besitzer war damals Theodorus von Wischell. 1115 wurde die Burg durch den Erzbischof von Köln im Krieg gegen den Deutschen Kaiser  Heinrich V. zerstört. An Stelle der Burg wurde das noch heute bewohnte Haus Kemnade erbaut.

Bedeutung des Ortsnamens

Aus dem 12. Jahrhundert ist die Schreibweise „Wisceloh“ überliefert.

Wisch = Wiese, feuchte Niederung.

Loh = Busch, auch gerodete Lichtung im Wald.

Im 14. Jahrhundert veränderte sich der Ortsname in Wissel.

Graf Eberhard von Cleve und seine Gemahlin, Bertha, eine adelige Frau aus dem Stamme Karls des Großen, gründeten in Wissel einen Kanoniker-Stift. Der Rhein, der durch seinen wechselnden Verlauf, neue Ufer freigab, spielte für die wirtschaftlichen Grundlagen des Klosters eine bedeutende Rolle. 1167 wurden die heutige Kirche und das Stift erstmals erwähnt. Die Kanoniker lebten in einzelnen Häusern rund um die romanische, aus Tuffstein erbaute Kirche. Diese Anordnung von Kirche und Wohnhäusern nannte man „Kapitel“. Die Kanoniker lebten zwar in einer ordenähnlichen Gemeinschaft, doch gingen sie auch ihren weltlichen Pflichten nach. Sie verwalteten die umliegenden Ländereien und Gehöfte und lebten von den erwirtschafteten Erträgen (= Pründe).

Ansiedlung und Entwicklung

Der wechselnde Verlauf des Rheines zwang die Menschen, ihre Gehöfte auf den Erdhügeln zu bauen, die die Eiszeit hinterlassen hatte (Stauchmoränen). So entstand eine Streusiedlung, die die einzelnen Höfe mit einem Wegenetz kleiner Straßen und Gassen verbindet.
Darin liegt Wissels besonderer Reiz. Die Dorfstraße ist der Hauptweg, der Wissel mit Grieth verbindet. Bis 1753 wurde Wissel durch den landrätlichen Kreis Kleve verwaltet. Nur kurze Zeit war es – wie alle umliegenden Bauernschaften – eine selbstständige Kommune. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Dorf von den Ämtern Till und Grieth mit Sitz in Wissel verwaltet. Der Bürgermeister stand beiden Ämtern in Personalunion vor. Das Verwaltungsgebäude, das sogenannte Bürgermeisteramt steht heute in Wissel am Dorfplatz gegenüber der ehemaligen Post (jetzt Fahrschule). Seit der Kommunalreform 1969 gehört Wissel der Stadt Kalkar an.

Die Wisseler Dünen – „De Dunn“

Es sind wirklich echte Dünen, zwar keine Meeresdünen, sondern Binnen- oder Flussdünen. Der Rhein hat bei seinen vielen Überschwemmungen immer wieder neuen Sand angeschwemmt, der durch den Wind verweht wurde. Das Herkunftsgebiet der Wisseler Dünensande ist die ursprüngliche Kalflack, ein alter Rheinlauf, der das Dorf Wissel umfloss.
Die Dünen dienten schon seit dem 14. Jahrhundert der Bevölkerung als gemeinschaftliche Viehweide (Almende). Jedes Jahr am 2. Mai trieben die Kleinbauern ihre Kühe in die Dünen. Diesen Vorgang nannte man „in Schaaren“.
Die Dorfbewohner, die die Dünen nutzten, waren auch für ihre Erhaltung und Pflege verantwortlich. So fanden auch bei den jährlichen Überschwemmungen des Rheins die Tiere hier Schutz und Nahrung. Leider wurde Anfang der 30er Jahre ein Teil der Dünen - auf staatliche Anordnung hin – zerstört. Seit 1935 steht die Dünenlandschaft unter Naturschutz und ist heute Eigentum der Bundesrepublik Deutschland.

Die Verkehrsanbindung

Bis zum Jahre 1904 war Wissel, abgeschnitten durch Rhein und Kalflack, noch nicht an das Verkehrsnetz des Niederrheines angeschlossen. Die nächsten Bahnstationen waren Kleve und Emmerich. Die „Neuzeit“ begann für die Bevölkerung am 15. August 1904. An diesem Tage wurde die Bahnlinie Kleve-Duisburg eröffnet. Der nächste Bahnhof war nun in Till-Moyland.
Übrigens: Im Herbst 1913 wurde in Wissel eine elektrische Leitung installiert. Am 30. September brannte zum ersten Mal elektrisches Licht in Wissel. Die Straßenbeleuchtung wurde erst im Dezember 1914 angelegt.

Befreiung aus der Verkehrsisolierung


Noch in den 60er Jahren, des vergangenen Jahrhunderts, erreichte man die rechte Rheinseite über die Brücken in Nimwegen oder Wesel.
Daneben gab es Fährbetriebe nach Emmerich, Grietherort und nach Rees. Die Anbindung des linken Niederrheins an das rechtsrheinische Straßennetz war für die Entwicklung von Wissel und des Campingplatzes von entscheidender Bedeutung.

Überlieferungen aus der Neuzeit:

Paul Dyckmans schrieb zu Beginn der 1970er Jahre folgenden Artikel:

„Es lächelt der See - er ladet zum Bade
Die heute größte Attraktion in Wissel ist unstreitig der riesige Baggersee. Als im Betonzeitalter der Kies ein kostbares Gut wurde, da schürften die Leute vom Bau nach diesem, wie sie es nannten, „Rheingold“, und mit ihren gewaltigen Baggern gruben sie tief in den Boden. Das Baggerloch füllte sich bald mit Grundwasser; und trotz der augenscheinlichen Bauflaute wird unermüdlich weiter gebaggert. Der See wächst und wächst. An ihm steht ein ausgedehnter Campingplatz, der kürzlich wegen seiner guten Einrichtung prämiiert wurde. Eine schöne Badegelegenheit und Möglichkeiten zum Wassersport locken an warmen Tagen Tausende von Besuchern an. Dann sieht man nicht nur Wagen aus den Kreisen Kleve und Wesel, sondern man findet zahllose Nummernschilder aus Duisburg, Oberhausen, Borken und noch von weiter her. Am Weg zum Campingplatz steht eine alte niederrheinische Windmühle, die heute als Heim für Pfadfinder- und andere Jugendgruppen dient.
Eine ganz aktuelle Note geben diesem scheinbar verschlafenen Nest die riesigen Baukräne des nahe gelegenen „Schnellen Brüters“ von Hönnepel-Kalkar, der so heiß umkämpft worden ist, von dem aber die  Landesregierung behauptet hat, er würde die Umwelt und vor allem das Freizeitgelände nicht stören.
Aber die Zeichen modernen Lebens - Wirtschaft und Freizeit – können noch nicht verdecken, dass der Mittelpunkt dieses gemütlichen Dorfes die doppeltürmige, romanische Stiftskirche ist. Sie weist auf die mehr als tausendjährige Geschichte Wissels hin. Patron der Kirche ist der heilige Papst Clemens von Rom – das ist ein Hinweis auf Willibrord, der ja bei seiner Weihe am 21.11.695 in Rom zum Bischof der Friesen den Beinamen Clemens erhielt. Dieser setzte sich aber nicht durch; anders als bei seinem Schüler Winfried, der ebenfalls in Rom einen neuen Namen - „Bonifatius“ – erhielt, unter dem er eigentlich bekannt ist. Das St.-Clemens-Stift in Wissel wird im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Eine spätere Überlieferung berichtet von einem legendären Grafen Luthard von Cleve, der in karolingischer Zeit dieses Stift gegründet habe. Sein Fest wurde bis ins 19. Jahrhundert noch mit größter Feierlichkeit begangen – sein Luthard Schrein ist noch in der Kirche zu sehen. Die Kirche selbst ist rein romanisch mit zwei Türmen und einem hochgotischen Chor. Im Inneren ein sehr schöner, gewölbter Raum mit Gurtbögen – von einer eigenartigen Wirkung. Um die Kirche herum standen die „Kurien“ der Stiftsherren oder Kanoniker, zwölf an der Zahl. Heute wohnen in den umgebauten oder ganz neu errichteten Häusern Wisseler Bürger und Bauern – aber immer noch ist der Kirchhof eine Insel des Friedens.
Neben dieser im Umkreis einzigartigen Kirche ist eine andere, nur in Wissel zu findende Erscheinung zu nennen: „die Düne“. Hier hat in uralter Zeit der Wind vom nahen Rhein her Sandberge hoch aufgehäuft. Der Rest dieser Dünenberge, der der Kultivierung durch die Menschen zum Opfer fiel, steht heute unter Naturschutz. Und weil der Boden so sandig war, haben die Wisseler lange Zeit vom Tabakanbau gelebt und bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg diese mehr als einen Meter hohen Pflanzen angebaut. Die Tabakfelder wie die auf langen Stangen schön säuberlich aufgereihten riesigen Tabakblätter gaben dem Dorf in früheren Zeiten den besonderen Reiz! Übrigens war von 1373 bis 1380 Dietrich von Wissel, ein Dominikanerpater, Weihbischof von Münster.
Fern von dem großen Getriebe der Städte, aber schnell zu erreichen über die Autobahn von Emmerich oder Rees aus, etwas seitab von der Straße von Kleve nach Kalkar-Duisburg liegt eingebettet in grüne Weiden und fruchtbare Felder dieser freundliche Ort und lädt ein zu einem besinnlichen Besuch.“

1. Video:
Quelle: Bocholter-Borkener Volksblatt, 19.10.2011.
In dieser Folge unserer Serie Naherholung geht es in die Wisseler Dünen.
Dabei handelt es sich um einen sogenannte Binnendüne.
Sie befindet sich nordöstlich von Kalkar und steht seit 1933 unter Naturschutz.

2. Video:
Quelle: Bocholter-Borkener Volksblatt, 13.06.2012.
In dieser Folge der Serie "Naherholung" geht es zum
Wisseler See in Kalkar. Ein Teil des Erholungsgebietes ist das Naturfreibad.